Luftiges Sommer-Set aus Aborigine Stoff von Karlotta Pink

Sommer, Hitze, die heißesten Tage des Jahres. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich brauche für diese Zeit ein besonders luftiges Outfit. Eines, dem man den Sommer schon ansieht. Auf der h+h Cologne hatten wir Ines von Karlotta Pink kennen gelernt, die mit Stoffen aus aller Welt handelt. Farbenfrohe, sonnige, wundervolle Stoffe aus den heißesten Ländern der Erde hat sie in ihrem Sortiment. Zum Probenähen durfte ich zwei Aborigine Stoffe aus Australien mitnehmen, mit ganz tollen Drucken, und ich wollte sie mir natürlich für etwas besonderes aufheben. Direkt beim Abschneiden wußte ich schon, dass ich eine Bluse und einen Rock nähen wollte und hatte zum Glück den Stoffverbrauch dafür auch einigermaßen im Kopf.

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Die Bluse aus dem violetten Sandhill Wash Blue ist nach dem Schnittmuster 116 aus Burda 7/2008. Die Belege sind mir sehr gut gelungen, aber bei den Ärmeln musste ich leider so oft ansetzen, dass mich die Bluse letztlich doch mehrere Nähkränzchen gekostet hat. Jetzt bin ich damit sehr zufrieden, denn ich finde, das Stoffmuster passt herrlich zur Form des Ausschnitts und der Naht, die den vorderen Beleg und die Knopfleiste hält. Die Knöpfe sind in einem ganz zarten Mintgrün, so dass sie sehr gut zu dem zugehörigen Rock passen.

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Auch von hinten macht das Muster der Bluse sehr viel her. Außergewöhnlich, aber nicht aufdringlich oder zu flippig – genau mein Fall. Frisur und Falten im Shop entsprechen den hohen Temperaturen und wurden aus Gründen der Glaubwürdigkeit nicht mit Photoshop gehübscht 😉

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Bei dem Rock habe ich eine Weile überlegt, wie ich ihn angehe. Ich hatte genau 1m von Yumuedumu mitbekommen und wollte einen einfachen Rock nähen, der das schöne Stoffmuster gut zur Geltung bringt. Nach etwas Hin-und Herdenkerei hatte ich mich zu einem Wickelrock entschlossen, den ich mit ein paar hübschen Details ein wenig besonders machen wollte. Also habe ich die Stoffbahn einfach durch zwei geteilt und (unter Rücksicht auf’s Muster) zu einem langen Streifen zusammengenäht. An den Seiten fasste ich beim Anprobieren grob die Abnäher ab (pro Seite ca. 10cm), die ich in kleinen Biesen verstecken wollte. Von der hinteren Mitte ausgehend maß ich die Entfernung zur Seite (ca. 20cm bei mir) ab und fing an, dort die erste Falte zu legen. Die Falten sind 5mm breit und werden je einmal im Tal genäht und dann noch mal an der äußeren Faltenkante abgesteppt. Beim Absteppen der Kante wird direkt die nächste Falte so gelegt, dass man deren Faltental mitfasst. Die Falten haben eine Länge von 8cm und ich habe pro Seite 10 Stück gearbeitet. So erhält der Rock unten mehr Weite als oben und lässt sich angenehmer binden (bei einem kürzeren Oberteil kommen die Falten noch etwas besser zur Geltung).falten

Nachdem die Falten gelegt waren, habe ich die Ober- und Unterkante des Rockes schmal doppelt eingeschlagen und abgesteppt. An der Oberkante habe ich an den Enden noch je ein schmales Bindeband mit eingenäht, um den Rock wickeln und binden zu können. Durch ein schmales Knopfloch hinter den linken Seiten wird das Band der unteren Stoffband gezogen und an der rechten Seite gebunden. Dort wollte ich auch eine Zierknopfleiste anbringen und fand im Fundus der Schwiegermutter glücklicherweise ein paar farblich perfekt passende Knöpfe. Der Rand ist ca. 8cm breit doppelt eingeschlagen und abgesteppt. Mein Fazit: Mit ein paar Kleinigkeiten kann man einen einfachen Wickelrock ganz fix zum absoluten Hingucker werden lassen.Knopfleiste

Zur Zeit ziehe ich Bluse und Rock gar nicht mehr aus, weil sie so super zum Sommer passen und so unheimlich bequem und luftig sind. Die Aborigine Stoffe sind toll in Muster und Farbe, haben eine super Qualität und ließen sich sehr gut verarbeiten. Schaut doch mal bei Karlotta Pink vorbei, denn zufälligerweise ist dort gerade noch Summer Sale. Damit gebe ich rüber zu Rund ums Weib und schaue, wo heute der Hochsommer rumst.

 

Große runde Stranddecke nähen aus afrikanischem Waxprint

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Am vorletzten Wochenende war ich mit einem Rudel netter Nähnerds im Waxprint-Laden in Köln Kalk (hier gibt es mehr Infos). Dort gibt es wunderbare Stoffe mit afrikanischen Mustern. Die Coupons sind recht groß, so dass sie sich gut teilen lassen und ich schlug ordentlich zu – denn so ein bisschen Fernweh machen die Stoffe. Ein Stoff gefiel mir so gut, dass ich den 5.5m Coupon allein mitnahm, ganz ohne zu teilen. Und mir war ziemlich schnell klar was ich aus dem Stoff nähen wollte: Eine Stranddecke. Eine runde Stranddecke. Eine sehr, sehr große, runde Stranddecke. Solche hatte ich letztens mit Ethno-Print über personalisierte Werbung in einem sozialen Netzwerk gesehen – sie hatten mir so gefallen, kosteten fast nichts und waren (wie zu erwarten) aus so miesem Material, dass ich sie nicht bestellen wollte. Also selber nähen, aus guter Baumwolle mit schönem Waxprint.mit_kissen

Da die Decke möglichst die volle Breite des Stoffes (bei diesem sind das 1,20m) ausschöpfen wollte, entschied ich mich, zwei Halbkreise zuzuschneiden, mit einem Radius von 1,20m, also der vollen Stoffbreite. Ich faltete den Stoff so, dass sowohl an den offenen Stoffkanten als auch im Stoffbruch der Stoff auf 1,20m Breite lag (als Quadrat quasi). Dann knotete ich einen Stift an ein Band, maß die Stoffbreite ab und machte dort einen Knoten.

stoff_legen

Was nun folgt, kennen sicherlich die meisten. Genauso kann man auch einen Tellerrock anzeichnen. Ich befestigte den Knoten in der einen Ecke des Stoffbruches (aber 1cm vom Rand entfernt, als Nahtzugabe), spannte das Band und konnte so einen Viertelkreis auf den Stoff zeichnen. Zugeschnitten habe ich mit ca. 1cm Abstand zur Kreislinie (Augenmaß), um eine Nahtzugabe für den Rand zu erhalten. Beim Aufklappen des Stoffes ergab sich so ein Halbkreis mit 2,40m Durchmesser. Dasselbe wiederholte ich spiegelverkehrt (linke Stoffseite beachten!), um den zweiten Halbkreis zu erhalten. Der Einfachheit halber, habe ich dazu einfach vom anderen Ende des Stoffstückes die 1,20m umgeklappt. anzeichnen

Beide Halbkreise habe ich rechts auf rechts zusammen genäht und war damit schon fast fertig. Aber ein bisschen Zierrat muss natürlich auch an so eine Stranddecke und ich fand Bommelborte die passende Wahl. Also habe ich berechnet, wie der Umfang des Kreises ist (= pixDurchmesser ) und bin auf ca. 7,5m gekommen. Da sich Rundungen beim Nähen oft etwas dehnen, habe ich nicht exakt 7,5m abgemessen, sondern einfach 10m gekauft und ohne weiter zu messen angenäht. Natürlich blieb etwas über, aber bei so großen Längen wäre mir messen und abstecken zu umständlich gewesen.

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Dann habe ich den Rand an der Overlock genäht, dabei zeigte der Bortenrand zum Rand der Stranddecke und die Bommeln zur Kreisfläche. Die Borte habe ich auf der rechten Stoffseite angenäht und dabei Stoff und Borte so geführt, dass das Ende der Borte genau zwischen beiden Nadeln lag und so von der linken Nadel mitgefasst wurde. Natürlich funktioniert das auch mit der Nähmaschine mit einem Overlock- oder Zickzack-Stich.

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Danach konnte ich den Rand nach innen klappen (die Bommeln zeigen dadurch nach außen) und habe ihn noch einmal schmal mit der Nähmaschine abgesteppt. Voilà: ein schicker Bommelrand ist entstanden.

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So schnell ging das mit der Stranddecke… Dann schnell in der Dämmerung noch zum Spielplatz geflitzt und einmal auf dem Sand ausgebreitet.

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Riesenteil. Wunderschön. Probe gelegen für den Urlaub… ja, die Decke kann was. stranddecke

Zusammengelegt nimmt die Decke übrigens kaum Platz weg – allen Unkenrufen zum Trotz passt sie hervorragend in den Reisekoffer. Theoretisch sogar in die Handtasche. Gar keine schlechte Idee, man sollte immer eine muckelige Stranddecke dabei haben. Für alle Fälle. Ob es heute andere, schöne Sommer- und Urlaubsprojekte gebloggt wurden, seht ihr beim Creadienstag.

Kindersachen mit Bügelbildern verschönern

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Es ist schon eine ganze Weile her, Wochen und Monate, seit ich das letzte mal gebloggt habe, genäht habe und diese tollen Bügelbilder bekommen habe. Ganz schön eingerostet bin ich, mal sehen, ob das alles so klappt. Beim Nähen hatte es schon kleinere Pannen gegeben – aber von vorn. Als sich eine liebe Freundin vor einem guten Jahr selbstständig machte mit dem Entwerfen, Plotten und Verkaufen von Bügelbildern, bot sie mir ziemlich direkt an, ob ich nicht einmal Bügelbilder testen wolle. Ziemlich fix bekam ich nicht nur zwei Bügelbilder für Liese und Fefi, sondern auch noch eine Sonderanfertigung für die Große. Denn: mit ihrem graphischen Background, den Nadine von Berufswegen her hat, kann man ihr auch gut eine bestimmten Wunsch beschreiben, den sie dann sehr phantasievoll umsetzt. Also enthielt unser Päckchen ein U-Boot für den Zwerg, eine Pusteblume für die mittlere und ein Regenborgen-furzendes Einhorn für die ganz Große.

Bügelbilder Heggen Design

Wir haben uns riesig über das Päckchen gefreut, trotzdem lag das Projekt jetzt ewig, bis ich es umgesetzt habe. Irgendwie habe ich es extra gut machen wollen, stattdessen hat es extralange gedauert und dass das extrem kontraproduktiv ist, habe ich nun auch gelernt. Schon eine ganze Weile habe ich den Stoff, einen hellgrünen, melierten, wunderschönen Jersey, der farblich perfekt zu den Bügelbildern der Kleinen passt. Schließlich habe ich Raglan-Shirts zugeschnitten und mich an das Aufbügeln gewagt. Nie vorher getan, aber immer daran interessiert gewesen, weil so viele Blogs mit starken, selbst entworfenen Motiven aus dem Schneidplotter geglänzt haben. Das Aufbügeln ging dann viel besser als ich dachte. Das U-Boot war absolut kein Problem und hat auf Anhieb funktioniert. Das Ergebnis finde ich klasse. Bei dem Löwenzahn musste ich die filigranen Stellen noch etwas nachbügeln, aber dann saßen die auch perfekt.

aufbuegeln

Beim Nähen ging natürlich etwas schief – ich schrieb ja, ich bin etwas eingerostet. Das Vorderteil von Lieses Shirt habe ich auf Links eingenäht. Clever. Also noch mal raustrennen, aufbügeln, zusammen nähen. Und nachdem ich gesäumt hatte, wollten die Mäuse die Shirts natürlich sofort anziehen. In den Garten fahren und Bilder machen. Nun bin ich so, dass ich im Garten zunächst nach meinen Blümchen schaue – und meine Kinder sind so, dass sie innerhalb kürzester Zeit Erde, Obst und Wasserpistolenwasser überall an sich drankleben haben. Also gibt es nur Bilder mit Erdbeermund und Gartenstaub.

beide

Erdbeermund weggewischt, stolzes Blumenkind zeigt ihr feines, neues Shirt.

blumnkind

Ja, die Sonnenhüte sind natürlich auch neu. Außen ein wundervolller Patchwork-Stoff mit Schmetterlingen. Der Innenstoff ist bei Liese mit Flamingos (JA! Flamingso sind die neuen Eulen!!!) und bei Fefi aus schönem grauen Leinen, den ich bei der Annäherung mal vom Tauschtisch gegriffen habe. Beide Hüte können als Wendehüte getragen werden – je nach Tagesstimmung – und das beste ist: Es sind Freebooks. Der Schnitt von Lieses Sonnenhut ist von Pattydoo, der für Fefi ist der altbewährte von Ottobre. Fefi, sag mal, hast Du auch ein neues T-Shirt? Kann es sein, dass das schon ganz schön schmutzig ist?

sonnehut

Zeig mal! (Kind wischt sich noch schnell die Hände am Shirt ab, damit sie sauber sind, wenn das Foto geschossen wird. Versteckt die Hände dann hinter dem Rücken, damit man das tolle, neue Shirt sieht.)

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Auch wenn ich keine aus dem Ei gepellten Bilder vorzeigen kann, die Bügelbilder von Heggen Design kann ich absolut empfehlen. Kindgerecht, schön designt, leicht zu verarbeiten und sofort zum Lieblingsteil mutiert. So muss es doch sein, oder?

Brot und Butter mit Garnierung – Nähen für den Alltag

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Anders als der Titel vermuten lässt, gibt es heute keinen kulinarischen Beitrag, sondern ein Set, das ich ganz lang schon zeigen wollte. Vor einigen Monaten beschloss ich, mein Nähen mehr auf Projekte zu fokussieren, die gut kombinierbar, alltagstauglich und gleichzeitig büroschick sind. Kleidung, bei der ich nicht lange überlegen muss, die ich einfach anziehen und mich wohlfühlen kann. Kleidung für jeden Tag. Brot und Butter sozusagen. Wie es so ist in der Nähwelt, oft liegt etwas in der Luft, Ideen wirbeln an vielen Ecken gleichzeitig, bis jemand kommt, das Ganze treffend in Worte, einen Artikel oder einen Sew Along verpackt. So tat es auch die liebe Frau 700Sachen mit ihrem Brot und Butter Sew Along, der kürzlich in’s Finale ging und viele fleißige Mitstreiterinnen hatte. Kein Wunder, denn die Idee Alltagskleidung zu nähen, traf genau den Nerv vieler Bloggerinnen. Da ich mir aufgrund von Zeitmangel dieses Jahr keinen Sew Along gönnen will (außer vielleicht den traditionellen Weihnachtskleid Sew Along), machte ich nur heimlich mit.

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Auf der AnNÄHerung hatte ich, wie viele andere, heimliche Brot und Butter Projekte mit, die ich dort auch gut fertig stellen konnte. Beides sind Sets, bei denen ich Röcke und Oberteile untereinander kombinieren kann. Den hier gezeigten weit schwingenden Rock nähte ich aus einem grauen Wollmix in Fischgrät. Der Schnitt ist Burda 7185, den ich hier schon einmal im Rahmen des Stoffwechsels genäht und gezeigt habe. Da mir der Bund im Originalschnitt etwas zu tief geht und nicht dort sitzt, wo ich ihn haben möchte, habe ich einen eigenen Formbund konstruiert. So ist der Rock eines meiner absoluten Lieblingsteile geworden. Klar, dass er so schön zerknittert aussieht, er wird. Nach einem Arbeitstag sieht ein Rock schon mal so aus…

Dazu probierte ich den Longsleeve-Standard-Schnitt Renfrew Top von Sewaholic aus, der verschiedene Ausschnitte und auch einen Wasserfallkragen hat. Der Stoff ist ein toller, weich fließender Viskose-Jersey, den Frau K. von einem Paristrip „über hatte“. Liebenswerterweise schenkte sie mir den Coupon und es stellte sich heraus, dass das Renfrew genau mein Ding ist. Der Wasserfallkragen ist muckelig und auch ein bisschen schick, farblich ist das Oberteil universell kombinierbar.rock_shirt_tuch

Da ich etwas zur Frostbeuteligkeit neige, trage ich zur Zeit ununterbrochen mein tolles Grannytuch, dessen letzte Reihen ich nun endlich fertig gehäkelt hatte. Die Häkelei zog sich etwas, weil ich es immer noch größer und noch größer haben wollte. Jetzt hat es die perfekte Größe. Ich kann es als Schultertuch tragen und mir gleichzeitig halb um den Hals wickeln. Auch wenn ich schon die ein oder andere Bemerkung über meinen „Poncho“ anhören durfte – ich liebe das Tuch. Ich liebe die Farben, ich liebe die weiche Wolle und ihren Geruch und ich liebe, wie einfach es war, so ein – für mich großes – Wollprojekt fertig zu stellen. Das Häkelset ist wirklich prima geeignet für Woll-Noobs wie mich und kann man im kleinen, feinen Lädchen von gemachtmitliebe bestellen.rock_shirt_tuch2

So sieht mein Nähen für den Alltag aus: nicht zu schwierige, nicht zu langwierige und gut kombinierbare Projekte. Garniert mit einem Farbtupfer, den ich nicht mehr ablegen möchte. Damit gebe ich ab zu RUMS, wo heute viele fleißige Bienchen ihre Projekte zeigen, die sie für sich selbst gemacht haben.

h h Cologne 2016 – Messebericht

Am Wochenende war ich zum ersten Mal auf der h h Cologne, der Fachmesse für Handarbeit und Hobby. Die Karte hatte ich geschenkt bekommen und nachdem Frau Drehumdiebolzeningenieur auch Interesse zeigte, konnte ich noch eine zweite Karte bekommen und wir gingen zusammen. Beruflich war ich schon ein paar mal auf Messen, für das Hobby allerdings nicht. Mit der h+h Cologne, die nicht auf den Besuch von Endkunden ausgerichtet ist, hatten die Aussteller eine Plattform, Neuheiten zu präsentieren, Kontakte zu knüpfen und Handel zu schließen – ein großer Branchentreff der renommierten Stoff- und Wollproduzenten, der Hersteller von Textilmaschinen und Kurzwaren. Die Stände waren oftmals mit sehr viel Liebe zum Detail aufgebaut, schon der erste Stand – Clover – hat uns tief beeindruckt.

h+h Cologne - Clover

Geschmückt mit zahlreichen Quasten, Jojos, Stoffperlen und farbenfrohen Kissen wurden hier all die großen und kleinen Helferlein gezeigt, die das Nähen erleichtern. Ein kleines Utensil zum Herstellen von Quasten wurde ausgiebig demonstriert, aber da wir beide nicht so die Quasten sind, gingen wir direkt zum nächsten Stand weiter. Dort hatte texi seinen Stand, ein Hersteller von Industrienäh- und stickmaschinen, der seit einigen Jahren auch im Hobbymarkt versucht Fuß zu fassen. Die preislich sehr erschwingliche Overlock (unter 250€) und die sehr ansprechend designte, vollmechanische Einsteiger-Nähmaschine (unter 150€) wurden uns von einer freundlichen Mitarbeiterin vorgeführt und natürlich durften wir auch selbst mal „probefahren“. Wir waren positiv überrascht, was für eine gute Leistung die Maschinen gezeigt haben – einfach, aber durchaus sehr brauchbar. Vielleicht eine würdige Maschine zu den mittlerweile sehr weit verbreiteten W6-Maschinen.h+h Cologne 2016 - Kurzwaren

Für Workshop-Programme waren wir etwas zu spät dran gewesen und auch das Niveau (Taschen nähen! Kissen nähen!) war nicht gerade das, was wir uns für einen kostenpflichtigen Workshop vorstellten. Also ließen wir uns einfach treiben und genossen die bunten Stände der Händler von Bändern, Knöpfen und Zubehör, deren aufwendige Arrangements jedes Nähnerdherz höher schlagen lassen.

h+h Cologne - Knöpfe

Dass es auch ein Bloggertreff bei der Initiative Handarbeit gab, habe ich leider erst später erfahren. Aber wahrscheinlich hätten wir den Termin – genau wie den Vortrag zum tunesischen Häkeln – verpasst, da wir immer wieder an besonders schönen Ständen hängen blieben. Wir unterhielten uns sehr lange und sehr nett mit Ines von Karlotta Pink, die offizielle Händlerin für südafrikanische Shweshwe, indische Kalamkari und australische Aborigini Stoffe ist. Wir konnten uns nicht satt sehen an all den intensiv bunten Stoffen und tollen Designs. Die Krönung war, dass wir direkt ein paar Meter zum Probenähen mitnehmen durften.

karlotta_pink

Auf dem Plan hatte die h+h Cologne gar nicht so groß ausgesehen, dennoch waren wir schnell überreizt. Beeindruckt von den teilweise riesigen Ständen, wie der von Prym. Neben den Kurzwaren in bekannt altbackenem, wurden auch Starter-Sets gezeigt, die endlich mal in etwas erfrischender Optik (Türkis! Punkte!) daher kamen. Auf dem Weg in die Nachbarhalle blieben wir, wie vermutlich alle anderen Messebesucher auch, vor dem „Fleischerladen“ stehen. Ehrlich gesagt, habe ich es auf den ersten Blick wirklich nicht erkannt und mir ist glaube ich auch ein Spruch in Richtung: „Achnee, ich hatte in letzter Zeit genug Schlachtplatte…“ heraus gerutscht. Aber das war ein Irrtum, denn die Fleischerei war komplett gestrickt. Vom Cocktailwürstchen bis zum Schweineschädel, über Salami, falsches Filet und Bratschnecken bis hin zum Nachtisch (Muffins!) war alles gestrickt von der Textlkünstlerin Madame Tricot.h+h Cologne - Madame Tricot

Da es schon nach Mittag war, hatten wir tatsächlich hunger, gönnten uns eine kleine Stärkung und dann ging es weiter. Wir sahen technisch beeindruckende Quilts…quilt

…und eine professionelle Quilterin bei der Arbeit. Die Maschine, die sich mit einer Art Lenkrad von Hand führen ließ, fing bei Bewegung automatisch mit nähen an. Wir konnten sehen, wie entlang von Schablonen, Vorzeichnungen oder Freihand die verschlungensten Muster und Ornamente auf große Quilts aufgebracht wurden. Außerdem durften wir selber einmal probieren. Die Drehumdiebolzeningenieurin stellte sich deutlich geschickter an als ich, mir kam die Maschine schwerfälliger vor, als ich erwartet hatte, so dass meine Kurven nicht so schön geschwungen ausfielen. Ich fand es grandios, so eine Maschine mal ausprobieren zu dürfen. Auch andere Industriemaschinen – z.B. Stickmaschinen – beeindruckten uns durch unglaubliche Schnelligkeit und Präzision. Große Textilmaschinen einmal in Aktion zu sehen hat mir besonders gut gefallen.quiltmaschine

Natürlich schauten wir auch bei den namhaften Stoffproduzenten vorbei, bei Lillestof, deren Stand sehr stylish war, und bei Swafing, die ihre Herbstkollektion in bezaubernden Farben und Designs vorstellten. Wir hatten allerdings beide das Gefühl, dass schwerpunktmässig mehr Wolle vorhanden war. Wunderschöne Garne, in tollen Qualitäten und Farben. Mit tollen Designbeispielen, unbekannten Mustern und tollen Arrangements. Die Farben sind natürlich auch bei Wolle berauschend, aber da wir beide nicht so die Strickerinnen sind, zogen wir daraus nicht so viel. Die fetzigen Bambusnadeln von KnitPro haben wir natürlich bewundert, aber die kannten wir auch vorher schon.

Was uns absolut neu war, das Garn, das unter Schwarzlicht leuchtet. Die Installation der Firma Schwarzlicht war geometrisch sehr beeindruckend, leider haben die Lichtverhältnisse eine genaue Demonstration des Leuchtens nicht zugelassen. Schade. Aber ich würde mir jetzt eh nicht unbedingt einen Rolli für die Disco stricken.

h+h Cologen - Schwarzlicht

Wir haben in den Stunden, die wir auf der h+h Cologne waren sicher nicht alles gesehen. Wir haben keine Bastelmöglichkeit mitgenommen, die ich nachher auf einigen Blogs gesehen habe, wir haben kein Programm gesehen (weil wir zwei schrullige, strickende Norweger halt irgendwie nicht superhip fanden, sondern eher zum Fremdschämen), wir haben keine anderen Blogger getroffen (aber viele von weitem gesehen).  Etwas schade fand ich, dass der Schwerpunkt extrem auf Textil lag und neben Wolle und Stoff (Plus Zubehör & Fachbüchern) kaum neue Techniken vorgestellt wurden. Bei Handarbeit und Hobby hätte ich mir eine größere Vielfalt an Techniken gewünscht, wie z.B. Schmuckherstellung, Papeterie, Künstlerbedarf etc. Aber die findet man vielleicht eher auf der creativa. Es war trotzdem toll und ich würde gerne nächstes Jahr mehr Zeit haben, falls ich wieder Karten bekommen sollte. Was andere auf der h+h Cologne noch so entdeckt haben, könnt ihr bei Malamü schauen, sie sammelt Messeberichte von Kreativmessen 2016.