Spring Style Along 2018 – Wunschkonzert

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Nach einem traumhaften Frühlings-Wochenende geht es heute schon in die zweite Runde beim Spring Style Along 2018. Das Thema diese Woche ist Wunschkonzert: Wie sieht die Traumgarderobe im Kopf aus? Ein bisschen habe ich ja schon überlegt, was ich brauche. Es sollten ein paar alltagstaugliche Sachen dabei sein, allen voran Oberteile. Mehr sommerliche Röcke wären auch schön und sind auch schnell genäht. Es soll kein Stoff dazu gekauft, sondern weiter das Lager abgearbeitet werden. Das aktuelle Projekt liegt schon wieder, aber den Stoff für das Clara-Dress möchte ich trotzdem eben zeigen. Das ist eine sehr luftige (und auch durchsichtige) Viskose.

Dazu liegen im Lager zwei gepunktete, leichte Viskose-Stoffe, die ich auf dem Restetisch bei K*stadt gefunden habe. Beide sind eigentlich für eine Bluse eingeplant. Außerdem habe ich noch zwei Evergreens dazu gelegt. Einen schwarz-weißen Batist mit großem Blumenmuster, den ich mal bei Fashion for Designers mitgenommen habe. Außerdem einen stretchigen Streifen-Stoff für eine Bluse. Zufällig passen die Stoffe perfekt zueinander, so dass ich schon überlegt habe, aus den beigen Punkten doch einen Rock zu nähen – nur damit ich dazu passend die gestreifte Bluse anziehen kann. Schnittmuster habe ich dafür leider noch keine im Kopf. Allerdings gibt mein Burda-Fundus sicherlich einige brauchbare Schnitte für Blusen und Röcke her.

Die Pläne finde ich bis zu diesem Punkt ganz solide, sehr arbeitstauglich, aber auch ein bisschen langweilig. Dabei mag ich starke Farben. Ich hatte noch ein paar andere Stoffe im Kopf und als ich sie aus dem Stoffschrank holte und nebeneinander legte, fiel mir auf, wie gut sie zusammen passen. Zwei mal Bastist und ein sehr bunter, leichter Baumwollstoff. Eigentlich perfekt für noch einen Schwung Kleider. Das Paisley-Muster würde ein schönes Strandkleid hergeben, auch wenn ich noch nicht weiß, ob wir überhaupt ans Meer fahren. Aber wahrscheinlich schon, denn eigentlich tun wir das immer. Das bunte Blumenmuster würde sich gut für ein Sommerkleid eignen. Vielleicht ein Cambie-Dress? Bei dem pinken Batist bin ich noch unschlüssig. Den habe ich nur mitgenommen, weil mich die Farbe angesprochen hat. Da wäre natürlich eine Bluse oder auch ein Kleid sehr schön draus. Allerdings passt die Farbe so gut zu den anderen Stoffen, dass vielleicht auch ein Jäckchen schön wäre? Ich bin etwas unentschlossen, aber froh über die vielen Möglichkeiten.

Das sind jetzt natürlich wieder sehr ambitionierte Pläne. Die Zeit wird sicher nicht zulassen, all das umzusetzen. Neben der ehrenamtlichen Arbeit im Naturschutzgebiet steht auch der Garten in den Startlöchern. Da werde ich die verbleibende Zeit sehr gut nutzen müssen, um wenigstens ein bisschen was von meinem Wunschkonzert umsetzen zu können. Ob die anderen Teilnehmerinnen ähnlich unrealistische ambitionierte Pläne haben, könnt ihr bei Alex nachlesen.

Wollrock im Fischgrätmuster

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Pünktlich zum endlich explodierenden Frühling möchte ich euch noch meinen warmen, wintertauglichen Wollrock im Fischgrätmuster zeigen. Den Wollrock habe ich auf der Annäherung genäht und seitdem viel getragen. Da der Wollrock über die Knie geht, wärmt er im Winter ganz wunderbar. Die Farbe des tollen Stoffes ist nicht ganz einfach zu fotografieren. Es ist am ehesten ein gold-bronzefarbener Ton. Den Stoff habe ich von der lieben Frau Drehumdiebolzen geschenkt bekommen.

Der Rock hat nämlich eine Geschichte. Und die geht so: Vor Jahren sah ich auf pinterest einen sehr schönen Retro-Rock. Knielang, sehr weitschwingend, mit Kellerfalte vorne und einem sehr schmalen Bund oben. Die gesammelte Nähnerd-Fachkraft auf Twitter gab mir einige Schnittvorschläge. Ich entschied mich schließlich für Burda 7185 und nähte den Rock im Rahmen der Stoffwechsel-Aktion aus einem dunkelbraunen Fischgrät von Frau Knopf. Das war im November 2014(!). Kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Die vordere Passe des Rockes habe ich etwas entschäft, sprich flacher gestaltet.

Der Rock gefiel mir so gut, dass ich ihn noch mal in einer schwarz-weißen Variante nähte. Den Rock habe ich sehr, sehr oft im Winter getragen, bis er mir kurz vor Weihnachten in der Waschmaschine kaputt ging. Verfilzt, eingelaufen, nicht zu retten. Ich war den Tränen nahe, aber zum Glück haben wir ja unsere phantastische Community! Frau Drehumdiebolzen zauberte diesen fabelhaften Wollstoff aus ihrem Stofflager. Sie hatte ein Reststück von genau 1,5m Länge und schenkte ihn mir auf der letzten Annäherung 2017.

Auf dem Weg zur Annäherung 2018 hielten wir beim Marc Aurel-Ausverkauf, wo ich mich mit Futter eindeckte. Ein wunderschöner weinroter Futterstoff mit goldenem Paisley-Muster wanderte auch in meinen Korb (ich muss noch mal ein neues Foto machen). Dieser Futterstoff passt perfekt zu dem Wollstoff und so konnte ich beides auf der Annäherung verheiraten zu meinem neuen, heiß geliebten Wollrock im Fischgrätmuster. Das Faszinierende daran ist eigentlich: ich habe alle Protagonistinnen dieser Geschichte über das Bloggen, Twitter und den Me Made Mittwoch kennen gelernt. Den Me Made Mittwoch gibt es mittlerweile leider nur noch ein mal im Monat. Deswegen nutze ich diese Chance am heutigen ersten Mittwoch, den Rock noch beim Me Made Mittwoch zu zeigen, bevor der Frühling endgültig eingezogen ist.

Spring Style-Along 2018 – Es geht los!

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Der Himmel wird blau, die Sonne strahlt – endlich lässt sich der Frühling blicken! Passend dazu startet der Spring Style-Along 2018, der wie im letzten Jahr von Alex auf mamamachtsachen ausgerichtet wird. Ich mag den Spring Style-Along ganz besonders. Nicht nur, weil man sich schöne, neue Kleidung anfertigen kann. Sondern auch, weil es darum geht, einmal klar Schiff zu machen in der Garderobe. Altes aus dem Kleiderschrank auszusortieren oder heiß geliebte Kleidungsstücke neu zu kombinieren. Als i-Tüpfelchen werden dann Accessoires dazu kombiniert oder extra angefertigt. Wie auch in den vergangenen drei Jahren bin ich hoch motiviert mitzumachen. Wie auch in den vergangenen drei Jahren werde ich im Frühjahr vermutlich wenig Zeit haben. Trotzdem hoffe ich, beim Spring Style-Along 2018 erfolgreich mitmachen zu können.

Das erste Thema ist die Bestandsaufnahme. Wenn ich darüber nachdenke, welche Teile mir so am liebsten sind, lautet die Antwort ganz klar: Mein apfelgrüner Stadtmantel. Den habe ich letztes Jahr im Frühling genäht und seitdem viel getragen. Besonders gern kombiniere ich den auch mit dem Kimonokleid, ebenfalls ein Schnitt aus dem Schnittmusterkiosk von Frau Crafteln.

Etwas später entstanden, aber farblich absolut passend ist auch meine Jazzy Strickjacke in petrol. Letztes Jahr hatte ich mir ja vorgenommen, mehr Strickjacken und ‘Überzieher’ zu nähen. Diese sind auch tatsächlich meine am meisten getragenen Teile.

Was dagegen ganz klar fehlt, sind Oberteile. Blusen, Tuniken, Shirts, Longsleeves – meine Oberteilschwäche ist sehr deutlich ausgeprägt. Außerdem muss ich dringend aussortieren, denn im Kleiderschrank liegen viele Teile, die ich selten trage. Entweder finde ich die Passform nicht mehr gut, denn oft sind sie zu weit, oder sie sehen abgetragen aus. Auch farblich könnten meine Oberteile etwas besser aufeinander abgestimmt sein. Hier ist also großes Ausmisten angesagt. Außerdem hätte ich gern mehr Sommerröcke. Ich habe mir in den vergangenen Jahren sehr viele Röcke für die Übergangszeit und den Winter genäht, aber sommerlich und luftig fehlt irgendwie.

Auch Alltagstauglichkeit ist ein wichtiges Stichwort. Im Alltag ziehe ich meistens eher Jerseykleider an. Außerdem trage ich nach wie vor viel Jeans. Vor allem für das Radfahren oder im Labor brauche ich dringend Hosen im Alltag. Die würden sich natürlich auch gut mit den (fehlenden) Oberteilen kombinieren lassen. Kleider dagegen habe ich wirklich viele, sowohl für die warme als auch für die kalte Jahreszeit. Zusammenfassend lässt sich also sagen: Ich muss dringend Ausmisten. Ich brauche keine Kleider. Ich brauche Oberteile, Hosen und Röcke. Folgerichtig ist mein aktuelles Nähprojekt eine Neuauflage des Clara Dress von Sew Liberated in flatteriger Viskose. Das hat mich jetzt in der Kälte gerade so angelacht, dass ich einfach damit anfangen musste. Wie es mit meinen Frühjahrsnähplänen weitergeht, erfahrt ihr dann nächste Woche.

Schlafanzüge für Kinder

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So langsam wird es Zeit, ein paar Sachen zu zeigen, die eigentlich schon lange fertig sind. Auf der Annäherung im letzten Jahr sind einige schöne Dinge entstanden, die ich irgendwie nie gebloggt habe und das soll natürlich nicht noch einmal passieren. Dieses Jahr hatte ich wieder ein paar ganz einfache Jersey-Teile mit. Die kann man gut einschieben, wenn es bei einem der größeren Projekte hakt. Dieses mal habe ich Schlafanzüge für Kinder genäht.

Ich hatte dafür kein Schnittmuster. Ich habe einfach einen Standard-Schnitt für ein Oberteil und einen für Leggings genommen und alles etwas weiter und länger zugeschnitten. Bunt geringelte Bündchen machen einen schönen Abschluss. Mein Plan war erst, dass sich jedes Kind eine eigene Bündchenfarbe aussucht, damit man die Schlafanzüge unterscheiden kann. Da beide unbedingt die bunten Ringel wollten, sind es dann doch zwei identische Sets geworden.

Damit man sie dennoch unterscheiden kann, habe ich unterschiedliche Webbänder am Bund der Hosen und der Oberteile angebracht. Da konnten die Kinder sich glücklicherweise für zwei unterschiedliche Designs entscheiden. Der Stoff des Oberteils kommt von Stoff&Stil. Den Jersey für die Hosen habe ich mal auf dem Stoffmarkt gekauft. Es ist ein sehr schöner T-Shirt-Jersey, der dunkelblau meliert ist. Den habe ich damals an einem Stand von Traumbeere gefunden. Tolle Qualität, den werde ich mir bestimmt noch einmal holen.

Die Kinder finden ihre neuen Schlafanzüge ganz toll. Ihnen gefällt nicht nur, dass beide exakt gleich sind. Sie mögen auch sehr, wie hübsch die Stoffe sind. Außerdem sind die Schlafis unheimlich gemütlich und bequem. Man kann jede Menge Quatsch in ihnen machen, wenn man vielleicht doch nicht vorhat zu schlafen.

Reise nach Benin

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Kurz war unsere Reise nach Benin, kurz und überwältigend. In den wenigen Tagen sind so viele Eindrücke auf uns eingeprasselt, dass ich immer noch dabei bin, alles zu verarbeiten. Die vielen Farben, die anderen Gerüche. Das Licht ist in Westafrika ganz anders, und natürlich auch die Temperaturen. Das Leben in Cotonou dreht sich in einer anderen Geschwindigkeit und irgendwie auch in eine andere Richtung und ich gebe zu: die Anpassung an das Leben in Benin fiel mir wesentlich leichter als die Rückkehr nach Europa.

Wir kamen spät abends in Cotonou auf dem Flughafen an. Dort war alles straff durchorganisiert: Passport! Yellow Card! Weitergehen, zügig in die Schlange einreihen. Dann noch einmal Passkontrolle, Fingerabdrücke, Fotografieren. Es ging eigentlich alles reibungslos, dennoch treffen einen die vielen Eindrücke (und das Klima!) wie eine Wand. Wir waren froh, dass unsere Projektpartner uns am Flughafen empfangen haben, direkt in ein Shuttle setzten und so für eine sichere Fahrt zum Hotel sorgten. Dort schlief ich wie ein Stein. Am nächsten morgen holte uns unser Fahrer ab und fuhr uns die halbe Stunde in Richtung der Universität in Abomey-Calavi. Es ist nicht übertrieben, wenn ich schreibe, dass ich mir mit offenem Mund die Nase an der Autoscheibe platt gedrückt habe.

Der Verkehr läuft komplett anders als in Europa. Es gibt keine Ampeln, die Geschwindigkeit ist teilweise halsbrecherisch und wenn eine Meute Fahrzeuge plötzlich geschlossen links abbiegt, machen wie durch Zauberhand die Entgegenkommenden Platz. Die meisten fahren mit dem Moto, kleinen Motorrädern oder Mopeds. An den vielen gelben T-Shirts erkennt man die Taxifahrer. Öffentliche Verkehrsmittel haben wir nicht gesehen in Cotonou. Wir hatten sehr oft den Eindruck, die Anzahl der zu befördernden Personen und auch Gegenstände ist nach oben komplett offen. Egal ob man nun mit dem Moto fährt oder mit einem Auto.

In der Universität lernten wir alle Projektpartner kennen, bekamen eine Laborführung und die Gelegenheit, die wichtigsten Eckpunkte des Projektes durchzusprechen. Nachdem die Arbeit getan war, machten wir einen Ausflug in die Pfahlbautenstadt Ganvié. Dort leben etwa 20.000-40.000 Einwohner, je nachdem, wen man fragt, komplett auf dem Wasser des Lac Nokoué. Es ist die größte Siedlung dieser Art auf dem Kontinent und wird auch als das “Venedig Afrikas” bezeichnet. Ganvié war sehr beeindruckend, das Leben, der Markt, alles spielt sich auf dem Wasser in kleinen Booten ab. In den meisten Booten waren 2-3 Leute: Vorne und hinten wird gepaddelt, und ein kleines Kind in der Mitte schöpft mit einer Plastikschüssel das einlaufende Wasser aus. Ein kleines Kind meint dabei ein Kind unter etwa 6 Jahren, denn alle älteren Kinder können auch schon allein die Boote bewegen, um zum Lebensunterhalt der Familie mit beizutragen.

Der Fischfang ist besonders wichtig für die Bewohner von Ganvié. Überall auf dem Nokoué-See sind Schilfreihen in das Wasser gesteckt. Die Fische verstecken sich im Dickicht unter Wasser. Nach etwa einem Jahr können die Schilfreihen entfernt und die Fische gefangen werden, um sie zu essen oder zu verkaufen. Außerdem werden Reusen genutzt und viele Kinder haben eigene kleine Fallen, mit denen sie Fische fangen. Im Februar ist Trockenzeit, da steht das Wasser des Sees tief genug, dass die Pfähle der Häuser und auch die Schilfreihen gut erkennbar sind. Wenn der große Regen kommt, verschwindet das Meiste davon unter der Wasseroberfläche.Nach unserer Fahrt über den Lac Nokoué gingen wir noch über den nahe gelegenen großen Markt von Abomey-Calavi. Neben Getreide wird dort viel Gemüse verkauft. Vor allem Zwiebeln, Blattgemüse, Tomaten, Chilis und Okras wird angeboten. Wir haben den lokalen Weichkäse ‘Waragashi’ gesehen, der eines der Lebensmittel in unserem Projekt ist. Auf dem Markt wird er in großen Eimern mit Flüssigkeit gelagert, die täglich aufgekocht werden muss, weil der Käse so schnell verdirbt. Fleisch und Fisch sieht man sehr oft geräuchert auf dem Markt, damit es länger hält. Allgegenwärtig ist das in Westafrika sehr bekannte ‘poulet bicyclette’. Die Hühnchen haben ihren Namen daher, weil sie mit dem Fahrrad zum Markt gebracht werden, in große Bündel verschnürt. Und natürlich auch, weil ihre Beinchen sich schnell und hastig bewegen wie bei einem Fahrradfahrer, wenn man versucht sie einzufangen.Am Abend kamen wir in den Genuss der traditionellen Küche in Benin. Unsere Gastgeber erklärten geduldig all die fremden Gerichte: ablo, akassa, gombo, aloko. Es schmeckte ungewohnt und meistens ziemlich gut. Etwas gewöhnungsbedürftig war ein Eintopf mit Okra, der eine so schleimige Konsistenz hatte, dass man ihn kaum essen konnte. Immer wieder ist mir das Essen von der Gabel geflitscht und hat Fäden gezogen. Mein liebstes Gericht war gebackener Fisch mit Zwiebel-Tomaten-Gemüse, am besten mit frittierten Bananen als Beilage. Nach dem Essen gab es jedes Mal frisches Obst – Ananas, Papaya, Bananen oder Orangen sind allgegenwärtig. Das Aroma ist tatsächlich ein ganz anderes, wenn die Früchte vor Ort reifen. Ein großer Unterschied im Vergleich zu den Früchten, die man bei uns im Supermarkt kaufen kann.

Den nächsten Tag verbrachten wir auf dem offiziellen Kick-Off-Meeting des Projektes. Es waren über 40 Leute da, Vertreter aus Industrie, Politik und von der Universität. Wir konnten ein paar Worte mit dem deutschen Botschafter wechseln, was sehr interessant war. In den darauf folgenden Diskussionsrunden erfuhren wir sehr viel über die lokalen Gepflogenheiten, was den Handel und das Verpacken von Lebensmitteln angeht. Auch dieser Tag war wieder sehr dicht gepackt mit Besprechungen, Workshop und Vorlesung. Den Abend konnten wir frei nutzen. Unser Fahrer war so nett, einen großzügigen Umweg zum Hotel zu fahren. So konnten wir noch ein paar Blicke auf Cotonou erhaschen. Besonders haben wir uns gefreut, als er den Weg zum Meer einschlug, um uns den Atlantik zu zeigen. 

Samstag, unser letzter Tag in Benin, und ein bisschen spürte ich schon beim Frühstück die Wehmut. So richtig wollten wir nicht nach Hause. Viel lieber hätten wir Afrika noch für ein paar weitere Tage inhaliert. Für diesen Tag hatten wir ein straffes Programm geplant. Zwei Verpackungsfirmen wollten wir besuchen und danach noch ein paar Sehenswürdigkeiten mitnehmen. Wir fuhren ein Stück aus Cotonou und Abomey-Calavi heraus, wo es keine befestigte Straße mehr gab. Wir wurden ganz schön durchgeschaukelt, als unser Fahrer das Auto über die unwegsame Strecke lenkte. Der Boden hatte eine intensiv rostrote Farbe. Der Staub lag überall – auf den Dächern, Reifen, den Blättern. Zwar wurde die staubige Straße durch einen Tankwagen mit Wasser bespritzt, aber wir hatten das Gefühl, dass diese Maßnahme nur sehr begrenzt hilft. Die sprichwörtlichen Tropfen auf heiße Erde.

Weil unser erster Termin uns vergessen hatte, stand “killing some time” auf dem Programm. Kein Problem, denn so konnten wir in Ruhe noch mehr Benin in uns aufsaugen. Wir gondelten gemächlich durch die Straßen. Irgendwie waren wir auch in dem Leben angekommen, dass sich in Afrika einfach in einer anderen Geschwindigkeit und Richtung dreht. Unser Weg führte uns an einer Aquakultur für die Zucht von Tilapia vorbei und wir konnten spontan eine Führung machen, bei der uns alles sehr ausführlich erklärt wurde. Danach waren wir schon etwas spät für unseren letzten professionellen Termin. Wir wurden dennoch sehr höflich und herzlich von den Mitarbeitern der zweiten Verpackungsfirma begrüßt. Sie zeigten uns stolz all ihre Produkte, welche Verpackungen für welche Lebensmittel genutzt werden. Natürlich mussten wir die scharfen Gewürzkekse kosten und dann gab es auch noch den Chicorée-Kaffee, der mich so fasziniert hat, geschenkt. Wir waren schon ganz schön voll mit Informationen und Eindrücken. Dennoch führte uns unser Weg vor dem Mittagessen noch zu einem Kunsthandwerkermarkt für Touristen, wo man die unterschiedlichsten Dinge kaufen konnte.

Das Mittagessen bot nur eine kurze Verschnaufpause. Danach fuhren wir über Land nach Ouidah, einer kulturgeschichtlich sehr interessanten Stadt. Mit einem lokalen Guide konnten wir einen Voodoo Tempel besichtigen. Geduldig beantwortete er unsere Fragen, war aber sichtlich angegriffen über die negative Darstellung, die seine Religion in anderen Ländern der Welt erfährt. Er stellte uns die Python vor, das heilige Tier im Voodoo. Im Tempel leben über 40 Tiere, die einmal im Monat freigelassen werden, damit sie sich in der Stadt Futter suchen können. Die Tiere, die den Heimweg nicht allein finden, werden von den Einwohnern von Ouidah zurück zum Tempel gebracht. Wir lernten, dass viele Voodoo-Priester Narben im Gesicht tragen, die den Labialgruben der Pythons entsprechen. Tatsächlich waren uns auch in Cotonou schon öfter Menschen aufgefallen, die kleine Narben oder Tättowierungen im Gesicht trugen. Nun wussten wir auch, dass diese Narben die Zugehörigkeit zu bestimmten Stämmen oder Religionen kennzeichnen. Schließlich hatten wir die Ehre, uns eine heilige Python um den Hals legen und uns von ihr segnen zu lassen.

Benin ist nicht nur die Wiege des Voodoo, sondern auch eines der ehemaligen Zentren der Sklaverei in Afrika. Ausgehend vom Place Chacha, dem ehemaligen Sklavenmarkt, folgten wir der Route der Sklaverei. Dieser von Statuen gesäumte Weg soll an die Geschichte der Sklaverei erinnern. Dabei gibt es verschiedene Stationen, wie den Baum des Vergessens. Um den mussten Männer 9 mal und Frauen 7 mal gehen, um alles zu vergessen: Ihre Herkunft, ihre Kultur, ihre Sprache, ihre Identität, ihre Geschichte. Unser Guide führte uns über die verschiedenen Etappen der Tour. Wir waren beeindruckt, wieviel er wusste. Sein Englisch war ausgezeichnet, obwohl er es nach der Schule nur durch Hörensagen verbessert hatte. Immer wenn Touristen vorbei kommen, hört er genau hin, um neue Wendungen zu lernen. Jede unserer Fragen konnte er sofort beantworten und erklärte dabei so viele Details, dass wir zunächst dachten, er hätte Geschichte studiert und wäre von der Universität. Leicht beschämt gestand er uns, dass er nicht mehr als einen normalen Schulabschluss und sich das meiste in seiner Freizeit angelesen hatte. Wir fuhren zur letzten Etappe auf der Route der Sklaverei: La Porte du Non-Retour – das Tor ohne Wiederkehr. Von hier aus gelangten die Sklaven über kleine Boote auf die großen Karavellen und wurden verschifft in ein fremdes Land, in eine ungewisse Zukunft.

Auch wenn der heiße Tropenwind uns sehr aufgeheizt hatte an diesem Tag, wurde mir frostig, als wir durch das Tor auf das Meer zugingen. In der Sonne schlenderten wir zum Strand. Ich konnte ein paar Muscheln aufsammeln. Dann stand ich das erste Mal am Atlantik, sog noch einmal alle Eindrücke in mich auf. Die wehenden Palmen, das rauschende Rollen der Brandung. Langsam ging ich auf die Wellen zu und grub meine Hände in den Sand. Wogende Wellen tosten heran, bäumten sich auf zu Bergen und überschlugen sich, als sie über meine Hände rollten. Sie trafen mich, meine Hose, Schuhe, Socken und ließen von mir ab. Ließen mich zurück, bewegt und durchtränkt. Alle lachten. Wunderschönes Afrika. Wunderschönes Benin.