Behelfsmundschutz nähen – einfache Anleitung

Ich habe schon vor mehreren Wochen darüber nachgedacht, eine Nähanleitung für einen Mundschutz zu machen. Das war noch zu einer Zeit, als die Regierung versucht hat uns zu erzählen, dass ein Mundschutz eh nichts bringt. Ich dachte, dass mich alle für verrückt erklären, wenn ich selbst genähte Mundschutze präsentiere. Mittlerweile ist der selbst genähte Behelfsmundschutz in aller Munde, oder besser gesagt davor, und Pflegeheime und Krankenhäuser rufen zum Nähen und Spenden im großen Stil auf, weil der Bedarf so groß ist. Dann fragte mich eine Freundin, die in einem Pflegeheim arbeitet (Huhu, Jenny!) nach schön bunten, selbst genähten Mundschutzen. Ich schaute ein wenig, was es so gibt, war aber nicht ganz zufrieden und bastelte am Ende doch wieder selbst ein Schnittmuster (kein medizinischer Mundschutz nach MPG, s.u.).

Mundschutz nähen – aber wie?

Meine Anforderung war: möglichst einfach und auf Masse zu nähen (und zuzuschneiden), möglichst unabhängig vom Material (falls Gummibänder oder Schrägband ausgehen sollten). Auch für den Draht wollte ich eine optionale Lösung: entweder ein Tunnelzug, um den Draht vor dem Waschen zu entfernen oder ein Einnähen auf der Nahtzugabe, beides sollte möglich sein. Dabei sollten die Stoffschichten aber nicht zu dick werden. Gummibänder, Jerseybänder oder Bindebänder aus Baumwolle sollten nicht fest eingearbeitet, sondern austauschbar sein. Wenn ein Band reißt oder unbequem ist, kann der Träger es einfach selbst ersetzen und muss nicht den mühevoll genähten Mundschutz entsorgen. Mir war auch wichtig, dass es ein Fach für Filter gibt. So ist mein Mundschutz eine eierlegende Wollmilchsau nun ziemlich universell, gut anpassbar und trotzdem unkompliziert. So, genug Vorgeplänkel. Jetzt geht’s los.

1. Material und Zuschnitt

Du brauchst kochfeste Baumwolle (einmal vorwaschen bitte) und schneidest daraus ein Quadrat (20x20cm) und zwei Rechtecke (12x20cm) zu. Die Maße für Schulkinder sind 18x18cm und einem Rechteck aus 11x18cm. Für Kindergartenkinder sollten 16x16cm mit einem Rechteck aus 10x16cm funktionieren (dann bitte nur 1cm Nahtzugabe). Ich habe kein Kita-Kind hier – wenn es jemand ausprobiert hat, dann schreibt das Ergebnis gern in die Kommentare.

Wenn Du das Fach zum Einlegen eines Filters nicht benötigst, schneide einfach zwei Quadrate zu und arbeite Vorder- und Rückseite gleich.

2. Saum einschlagen und Ecken falten

Nun wird an der langen Kante der Rechtecke der Rand knapp 1cm breit zwei mal eingeschlagen. Alle übrigen Ecken, auch beim Quadrat, werden nach innen geklappt. Auch wenn man es schwer erkennt, die linke (nicht so schöne Stoffseite) liegt hierbei oben. Für das Umklappen der Ecken habe ich mir eine Schablone gemacht, damit ich sie ganz fix umfalten oder bügeln kann. Dabei ist die Kantenlänge des umgeklappten Dreiecks 4cm. Für Schulkinder hier bitte 3,5cm und für Kita-Kinder 3cm nehmen. Mit nähfüßchenbreite Abstand werden alle acht umgeklappten Ecken in der Diagonalen fixiert. Außerdem wird die gesteckte Oberkante der Rechtecke festgenäht.

3. Falten legen

Am Ende bleiben diese Ecken offen, so dass man an alle 4 Kanten ganz einfach einen Tunnelzug nähen kann. Im nächsten Arbeitsschritt werden die Falten gelegt. In die Rechtecke wird je eine Falte gelegt, die ca. 1cm breit ist. Um die Falte auszurichten, orientiere ich mich an den eingeklappten Ecken. Das geht für mich schneller, als endlos Markierungen zu übertragen.

Auch beim Quadrat werden Falten gelegt, für die Vorderseite sind das drei. Wie bei den Rechtecken orientiere ich mich hier an den Kanten der umgeklappten Ecken. Die mittlere Falte richte ich nach Augenmaß ca. in der Mitte aus. Es kommt hier nicht so genau drauf an. Die Falten werden einmal kurz mit dem Bügeleisen glatt gepresst und mit Stecknadeln fixiert. Man kann sie aber auch mit einer kleinen Naht sichern. Achte darauf, dass auf der Vorderseite die Falten alle in die gleiche Richtung zeigen (nach unten).

Wenn Du die Variante ohne Filterfach nähen möchtest, lege einfach beide Quadrate aufeinander und falte sie gemeinsam. Beim Nähen musst Du dann eine Wendeöffnung offen lassen.

4. Einzelteile zusammen nähen

Nun werden beide Rückteile rechts auf rechts auf das Vorderteil gelegt. Dabei entsteht hinten ein Hotelverschluss. Dabei sollten die Ränder der Rückseitenteile 2-3cm überlappen, damit der Hotelverschluss beim Tragen nicht zu weit aufklafft. Bei mir stößt die Saumkante dabei meistens an die Falte des darunterliegenden Rechteckes.

Alles wird gut festgesteckt, dann werden die Kanten genäht (Nahtzugabe 1.5cm). Die Ecken bleiben dabei offen! Nähe immer genau von der Naht in der Diagonalen bis zur nächsten Naht in der Diagonalen. Am besten geht es, die kurzen Seiten zuerst zu nähen und die Stecknadeln zu entfernen, bevor man die langen Seiten schließt.

5. Draht einnähen

In die Nahtzugabe an der Oberkante kann man nun Draht auch fest einarbeiten. Für fest eingenähten Draht würde ich in jedem Fall einen mit Plastikummantelung wählen, damit er beim Waschen nicht direkt kaputt geht. Dazu eignet sich z.B. Gartendraht oder die Verschlüsse von Gefrierbeuteln (wie hier im Bild). Ich habe bei diesem Mundschutz 4 Drahtstücke eingearbeitet, je zwei pro Zickzacktunnel. Sie liegen nebeneinander und geben so eine gewisse Stabilität.

Der Draht ist besonders wichtig für Brillenträger, damit die Brille nicht beschlägt. Auch im medizinischen Sektor oder der Pflege ist Draht mitunter eine Bedingung für Mundschutze aus Stoff. Der Draht wird über der Nase gebogen und an die Gesichtsform angepasst, so dass der Mundschutz möglichst nah an der Haut aufliegt.

6. Wenden und absteppen

Schneide nun die Nahtzugaben zurück und wende die Gesichtsmaske durch den Hotelverschluss, forme dabei die Ecken aus. Die Kanten kann man noch einmal sehr schmal absteppen, damit es ordentlicher aussieht und stabiler ist.

Im letzten Arbeitsschritt werden die Nähte für die Tunnelzüge gesetzt. Wenn Du keinen fest eingenähten Draht hast, nähst Du an der Oberkante in ca. 1cm Abstand zum Rand eine Naht. Vorsicht, nähe nicht zu weit an die Ecken, sonst wird es fummelig. Hier kann man bei Bedarf einen Draht/Heftstreifen o.ä. einschieben und auch wieder entfernen. Wenn man einen schmalen Draht einziehen möchte, kann der Abstand zum oberen Rand auch geringer sein. Setze an den kurzen Seiten ebenfalls eine Naht mit ca. 1-1,5cm Abstand zum Rand – achte auch hier darauf, nicht zu nah an die Ecken zu nähen um die Tunnelzugöffnung nicht zu eng zu machen. Hier können nun wahlweise Gummis, Bindebänder oder Jerseystreifen zum Binden eingezogen und an den jeweiligen Träger angepasst werden.

7. Gummis oder Bindebänder einziehen

Für Ohrgummis habe ich bisher oft elastische, weiche Gummilitze (5mm breit) genommen. Für Erwachsene schneide ich hier ca. 30cm zu, für Kinder 25cm. Achtung: Die Maße hängen stark von der Elastizität des Materials ab und es ist besser, das einmal auszuprobieren. Auch Hutgummi (2mm) trägt sich recht gut. Nach dem Verknoten wird der Knoten in den Tunnel gezogen, damit er beim Tragen nicht stört.

Für Überkopfgummis (schwarze Maske) nehme ich bei Erwachsenen ca. 80cm und bei Kindern 60-70cm Länge. Für Bindebänder (z.B. aus Schrägband) werden zwei Bänder à 90cm verwendet. Auch hier können die Maße je nach Kopfgröße und Elastizität des Materials abweichen. Wie man die Mundschutze bedruckt habe ich hier beschrieben.

Und so sieht der selbst genähte Mundschutz von hinten im geschlossenen Zustand aus. Zwei Falten für Passform und ein Hotelverschluss für das Fach. Überall sind mindestens doppelte Stofflagen.

Und so sieht er getragen aus. Unglaublich wie absurd schnell man sich an den Anblick selbst genähter Mundschutze gewöhnt.

Abschließend möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass das ist kein Mundschutz gemäß MPG mit medizinisch geprüfter Wirksamkeit ist! Das ist lediglich als Behelf in der aktuellen Krisensituation gedacht, wenn ein richtiger Mundschutz nicht verfügbar ist. Der Behelfsmundschutz schützt euch nicht vor Ansteckung, er unterstützt aber, dass ihr euren Schnodder bei euch behalten könnt (auf gut Deutsch). Anfertigen und Tragen geschieht eigenverantwortlich.

CC BY-NC-SA 4.0 Behelfsmundschutz nähen – einfache Anleitung von Marja Katz ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Marja Katz

Biologin aus Köln mit zwei kleinen Kinnings. Liebt ihre Familie, ihre Nähmaschine, ihr Cello.
7 comments
  1. Marja, Dein Mundschutz ist einfach toll.
    Ich hab ja schon vieles im Netz gesehen (auch auf Englisch, Italienisch und Französisch),
    aber Deiner hat einfach die besten details, v.a. was den „Nasendraht“ betrifft.
    Wer nichts Passendes mehr findet, kann auch auch alte ec-Karten oder ähnliche Kundenkarten zurechtschneiden und benutzen.

    1. Marja Katz

      Hallo Elisabeth,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Da freue ich mich natürlich sehr drüber.
      Danke auch für den Tip mit den ec-Karten, das werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren!
      Liebe Grüße!

    2. Ich habe eine Anleitung mit den Klammern von Schnellheftern gesehen 🙂

      1. Marja Katz

        Genau, das habe ich auch schon probiert. Das klappt wirklich super 🙂

  2. Super Anleitung! Vielen Dank du Gute!
    Sitzt gut und ist meiner Meinung nach gut zu nähen. Viele Grüße aus Paderborn!

  3. […] kommt für bestimmte Bereiche in der Öffentlichkeit. Ich hatte vor knapp einen Monat ein Schnittmuster für einen Behelfsmundschutz veröffentlicht und habe selbst schon einige danach genäht und verschickt. Uns passen sie sehr […]

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