Helle Tage, dunkle Zeit

Die letzten Wochen waren schwer, die letzten Wochen und Monate. Das Nähen ist mir ganz abhanden gekommen, das Bloggen sowieso. Die hellen Tage kamen und obwohl der Juni mir der Liebste ist, wurde er in diesem Jahr der Schwerste. Am Ende stand ich vor der Frage, ob ich meine Kleidung für die Beerdigung nähen oder kaufen sollte. Irgendwie erfüllte mich der Gedanke an eine Beratung zu Trauerkleidung in einem Kaufhaus mit Grauen und ich entschied, dass selbernähen wohl schneller, effektiver und schmerzfreier sei.

Bei Stoff & Stil fand ich einen schönen und eleganten, schwarzen Viskose-Nylon-Mix (Bengaline), der genügend Stand für das Schnittmuster hat, das mir kurz vorher in die Hände gefallen ist. Es ist 23113 von Stoff & Stil, ein ganz klassisches Kleid mit Prinzessnähten und relativ hohem, geraden Ausschnitt. So hatte ich relativ schnell einen Plan für das Beerdigungs-Kleid.

Ich war so froh wie nie zuvor über meine Routine im Nähen, denn ich konnte das Kleid quasi im Blindflug nähen. Der Stoff ließ sich sehr gut zuschneiden und verarbeiten, trotz des hohen Viskoseanteils. Den Zuschnitt habe ich so gewählt, dass die Schnittteile querelastisch werden, was ganz gut ging. Die Prinzessnähte im Schnitt lassen eine leichte Anpassung zu, aber das Kleid passte mir auf Anhieb ziemlich gut. Die Armlöcher sind etwas enger als ich es gewohnt bin, da würde ich beim nächsten Mal eventuell etwas ändern. Wobei das relativ breite, hoch geschlossene Rückenteil optisch natürlich eine ganz tolle Taille zaubert.

Ansonsten bin ich aber sehr zufrieden mit dem Kleid. Schwarz ist nun eigentlich nicht (mehr) so meine Farbe. Aber der klassische Schnitt macht das Kleid zu einem Allrounder für Meeting, Oper oder eben – Beerdigung.

Da das Wetter hier immer etwas unberechenbar sein kann – wir haben August, das sollte man nicht vergessen – wollte ich mir gern noch ein Jäckchen dazu nähen. Auf die Idee kam ich, weil ich bei Stoff&Stil einen sehr schönen,  angenehm unkitschigen Spitzenstoff gesehen habe, der dafür sehr gut in Frage kam. Beim Durchwühlen meiner Nähzeitschriften fiel mir dann auf, dass zwar sehr viele kurzärmelige Kleider und Oberteile als Schnittmuster vorhanden sind, die ergänzende Kleidung in Form von Boleros oder Jäckchen sehr oft vergessen wird. Letztendlich habe ich ein tailliertes Wickeltop aus einer Burda entsprechend umgebaut, so dass am Ende ein Spitzen-Jäckchen bei rauskam. Es wird nur oben mit einem Knopf und einer Schlaufe geschlossen.

Ich war mir zuerst sehr unsicher, wie ich Spitzenstoff verarbeiten soll, weil ich so etwas noch nie gemacht habe. Letztendlich habe ich es ganz normal mit der Overlock zusammen genäht. Die Säume habe ich aus einem schmalen Streifen des Kleiderstoffes ebenfalls mit der Overlock angenäht. So ließ sich das Jäckchen recht schnell und unkompliziert nähen.

Ein wenig anders hätte ich es mir schon gewünscht, mein erstes Lebenszeichen auf dem Blog seit Monaten. Weniger wortkarg und fröhlicher wären mir lieber gewesen. Für mehr fehlen mir leider gerade – schlicht und einfach – Worte. Seht es mir nach.

CC BY-NC-SA 4.0 Helle Tage, dunkle Zeit von Marja Katz ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Biologin aus Köln mit zwei kleinen Kinnings. Liebt ihre Familie, ihre Nähmaschine, ihr Cello.
10 comments
  1. Du Liebe,
    fühl dich gedrückt. Das Kleid und das Jäckchen erst sind toll, auch wenn der Anlass weniger schön ist. Ich hab auch so ein trauriger Anlass Kleid in meinem Schrank. Konnte es seitdem auch nichtmehr anziehen zu anderen Gelegenheiten, es ist einfach besetzt. Aber so weiß ich, wenn ich nochmal zu einer Beerdigung muss, bin ich gewappnet zumindest angezogen, falls mir vorher nicht zum Nähen ist. Hoffe du hast eine wenige Trost oder auch nur Ablenkung beim Nähen gefunden.
    LG Karin

  2. Dann kommen die Worte eben durch den Kommentar.
    Trauerverarbeitung ist anstrengend. Beerdigungen finde ich schlichtweg schlimm.
    Ich wünsche dir alles gute für die nächste Zeit.
    Zum Schluß auch Worte zum Kleid. Ich finde es toll. Und auch noch in meiner Lieblingsnichtfarbe Schwarz. Der Schnitt sieht hervorragend an dir aus. Das obere Rückteil ist klasse. Die Jacke auch dazu sehr schön.

    Und wenn du wieder Muse hast, dann nähst du das Kleid eben in bunt. Denn es ist toll.
    lg monika

  3. Schönes Kleid auch wenn ein trauriger Anlass. Ich wünsche Dir und Deiner Familie Kraft in der nächste Zeit.

  4. Liebe Marja auch von mir gute Wünsche für die kommende Zeit . Wie pesönlich du doch mit einem selbstgenähten Kleid Abschied nehmen und trauern darfst. Nimm dir Zeit für dich.

    Wünsche dje dass auch dir einer deiner Sorgen- tröster so hilft, wie du anderen damit geholfen hast. Liebe Grüße von Frauke

  5. Liebe Maria, Dir weiterhin viel Kraft – Verluste zu verwinden ist sehr hart. Aber vielleicht kann dich das Nähen ja ein wenig trösten. Und Dein Kleid ist wunderschön. Liebe Grüße, Karin

  6. Herzliches Beileid und viel Kraft! Ich wünsche Dir eine gute Trauerzeit und die Zuversicht, dass danach das Leben weitergeht. Lieben Gruß Iulia

  7. Auch wenn der Anlass ein sehr trauriger ist. Das Kleid ist dir sehr gelungen.
    Liebe Grüße
    Elke

  8. Liebe Marja, das Kleid mit der dazugehörigen Jacke gefällt mir supergut. Ich finde die Idee zu einem so schlimmen Anlaß etwas anzuziehen, wo man Herzblut hat hineinfließen lassen, wirklich schön.

    Für die nächsten Wochen und Monate ganz viel Kraft – der Schmerz geht nicht, er wird nur erträglicher und ist irgendwann nicht mehr so oft präsent!

    LG Ute

  9. Ich wünsche dir auch viel Kraft und familiären Rückhalt. Kleid und Jacke sind toll. Vielleicht hilft es ja ein wenig, wenn man sich in solch schweren Stunden zumindest wohl und wie man selber fühlt?!
    LG, Bele

  10. Ohje, ich wünsche dir alles Gute in dieser schweren Zeit.

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