Kurze Nachricht aus Benin

Ganz kurz wollte ich mich aus Benin melden, um ein paar Neuigkeiten zu berichten. Zunächst möchte ich auf das neue Traumbeere-Magazin aufmerksam machen. Bein aktuellsten Artikel habe ich im Rahmen einer Kooperation mitgewirkt. Dort werden im neuen Stoff-FAQ verschiedene Stofftypen vorgestellt und Tips zur Verarbeitung gegeben. Das war noch kurz bevor ich mich auf die Reise nach Westafrika gemacht habe. Nun bin ich hier, gemeinsam mit meiner Kollegin, die schon seit einem Monat hier ist. Und wieder finde ich es überwältigend.

Wir sindwieder in Abomey-Calavi, in der Nähe der Universität und unser Arbeitstag ist ziemlich vollgepackt. Trotzdem versuche ich, so viel von Benin zu sehen, wie es innerhalb einer Woche möglich ist. Vorgestern Abend hatten wir nach Feierabend noch etwas Zeit, die Sonne war noch nicht untergegangen, und so machten wir uns auf den Weg zu einem Stoffladen. Den wollte meine Kollegin Barbara mir unbedingt zeigen, weil es dort so tolle Farben uns Drucke gibt. Hier gibt es auch einige Verkäufer auf der Straße, die den Stoff auf dem Kopf tragen, eingehüllt in Plastiktüten, damit er nicht staubig wird. Etwas häufiger sind allerdings winzige Läden am Straßenrand, wie man sie hier für alle möglichen Produkte sieht. An genau so einem kamen wir vorbei und ich sah schon von weitem, dass es dort besonders schöne Farben und Muster gab.

Es hat ein kleines bißchen gebraucht, bis erste Berührungsängste und die Sprachbarriere überwunden waren, aber dann hat uns die Stoffverkäuferin bereitwillig ihre Ware gezeigt. Sie verkauft die Stoffe in 6m-Coupons, wie es hier üblich ist, weil aus dem Stoff oft mehrere Kleidungsstücke gemacht werden, die ganze Familie eingekleidet wird oder ein Tragetuch für das Kleinste gewickelt wird. Wir konnten uns nicht entscheiden und auch wenn die Stoffverkäuferin wohl nicht so recht wusste, wie ihr geschieht, blieb sie die ganze Zeit sehr geduldig und höflich. Wir versuchten ihr zu erklären, dass afrikanische Stoffe wunderbare Farben haben, aber das einige nicht gut zu weißer Haut passten. Daraufhin hat sie sehr lieb versucht uns zu beraten, hat uns etwas dunklere Stoffe gezeigt und sie an unsere helle Haut gehalten, damit sie uns etwas empfehlen kann. Dazu muss ich sagen, dass wir hier die totalen Exoten sind, immer sehr angestarrt werden, wenn wir über die Straße gehen. Weiße verirren sich hier selten hin und so sind viele Beniner eher zurückhaltend bis skeptisch, viele aber auch neugierig und grüßen sehr höflich.

Letztendlich habe ich vier Coupons im dem kleinen Straßenladen gekauft und als die Verkäuferin die 28.000 CFA (umgerechnet knapp 40€) in den Händen hielt, hat sie sich wie verrückt gefreut. Sie konnte ihr Glück kaum fassen. Die zwei kleinen Kinder, die gerade von der Schule kamen, starrten uns fassunglos an und dann die vor Freude lachende Mama. Wir verabschiedeten uns lachend voneinander, wahrscheinlich hielten sie uns für komplett durchgeknallt, weil wir so viel gekauft hatten.

Dann gingen wir trotz der riesigen Ausbeute noch zum „richtigen“ Stoffladen, wo Barbara schon bekannt war und freudig begrüßt wurde. Zwei kleine Kinder sprangen die ganze Zeit um uns rum, lachten und scherzten mit uns und freuten sich diebisch, wenn wir mit ihnen Quatsch machten. Es gab sehr hochwertige Stoffe, unter anderem mit Golddrucken, die auch doppelt so teuer waren wie im Laden davor. Dafür konnten die Coupons geteilt werden und es gab auch 2m-Stücke. Es war wieder sehr schwer sich zu entscheiden, doch am Ende freute sich erneut eine beniner Stoffverkäuferin über ein sehr gutes Geschäft.

Als wir wieder zuhause waren und zusammen zählten, wieviel Stoff wir ausgesucht hatten, waren wir selbst ein bisschen fassunglos. 34m afrikanischen Stoff hatten wir mitgenommen und keine Ahnung, wie das in den Koffer passen soll. Barbara hatte vorher ja schon mal zugeschlagen, bei ihr liegen auch noch 13m. Wenn wir am Flughafen gefragt werden, ob wir was zu verzollen haben, werden wir unschuldig mit den Augen klimpern, „nein“ hauchen und innerlich einen Luftsprung machen.

CC BY-NC-SA 4.0 Kurze Nachricht aus Benin von Marja Katz ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Marja Katz

Biologin aus Köln mit zwei kleinen Kinnings. Liebt ihre Familie, ihre Nähmaschine, ihr Cello.
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