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Vorhang auf! Es ist vollbracht. Endlich habe ich mein Eisblumenkleid fertig gestellt. Nachdem ich mit dem Probekleid – das Kleid der Herzen – einige Scherereien hatte, wurde mir beim Nähkränzchen empfohlen, das eigentlich geplante Kleid direkt nachzuschieben. Auch wenn ich jahreszeitlich eigentlich schon einen Schritt zu weit im Frühling war. Aber das Argument, dass ich jetzt noch genau über Änderungen am Schnittmuster Bescheid wisse, hat mich letztendlich überzeugt. An die geplanten Änderungen an der Ärmelkugel, dem Ärmelausschnitt etc. hätte ich mich im kommenden Winter auch kaum noch erinnern können. Aber der Reihe nach.Butterick 6018 mit langen Ärmeln

Zuerst war da der Stoff, den ich bei unserem gemeinsamen Nähnerd-Ausflug nach Krefeld bei Fashion for Designers auf einer Musterkarte entdeckte: Eine relativ starke, aber dehnbare Baumwolle mit einem atemberaubenden Muster in verschiedenen Blautönen. Das Muster sah für mich nach einer Mischung aus Ornamenten, stilisierten Kreuzen und Eisblumen aus – in allerschönster Skyrim-Optik. Trotz des relativ hohen Preises (18€/m) habe ich mir 3m des Stoffes bestellen und aus Spanien liefern lassen. Als der Stoff ankam, war ich total verzückt, aber auch genauso ratlos, mit welchem Schnitt dieser Stoff wohl am besten wirken würde. Mir schwebte wegen des Musters eine Art Eiskönigin-Kleid vor. Nicht zu weit ausgeschnitten, evtl mit Kragen und Ärmeln, die mindestens über den Ellenbogen reichen. Lange habe ich kein richtiges Schnittmuster gefunden, aber nach Empfehlungen auf Twitter bin ich schließlich auf den Retro-Schnitt von Butterick gekommen – Butterick 6018. Das Kleid gibt es einmal mit herzförmigem Ausschnitt und einmal mit Reverskragen, an den kurzen Ärmeln sind Manschetten angebracht. Die sehr feminine Silhouette von Butterick 6018 und die Details Kragen, hochgeschlossen, Manschetten passten für mich sehr gut zu den Attributen, die ich mit so einer Eiskönigin verbinde: unnahbar, formal, eisig weiblich und nicht zuletzt: winterfest. Gerade auch das letzte war für mich wichtig, da ich kaum langärmelige Kleider im Schrank habe und diesen Stoff perfekt fand, die Lücke zu schließen.Butterick 6018 in der Totalen von hinten. An Kragen, Manschetten und Taillennaht sind Paspeln angebracht.

Nach der Näh-Odysee mit dem Kleid der Herzen war ich zunächst nicht sonderlich motiviert, das Kleid anzugehen. Da ich nicht die Sanduhrfigur von Butterick- oder 50er-Jahre-Schnitten habe, habe ich mich etwas vor den Änderungen gescheut – und vor dem Anschneiden des teuren Stoffes. Schließlich überwand ich mich doch – und steckte sehr viel Zeit in einen korrekten Zuschnitt. Ich habe jedes Teil einzeln zugeschnitten und dabei penibel darauf geachtet, dass das Muster möglichst schön aufeinander trifft. Bei so einem ausgefeilten Muster und den vielen Schnittteilen war das nicht ganz unkompliziert, vor allem auch weil ich irgendwann an die Grenzen der Stoffmenge gestoßen bin. Ich habe penibel darauf geachtet, dass das Muster an den seitlichen Nähten möglichst gut aufeinander trifft und in der Horizontalen möglichst korrekt ausgerichtet ist. Darauf habe ich mich so konzentriert, dass mir die vertikale Ausrichtung zwischen Oberteil und Rockteil verloren gegangen ist. Dass der Übergang etwas ruckelt, ist mir erst aufgefallen, als es zusammengenäht war. Glücklicherweise kam auf Twitter von Alex der Hinweis, dass man die Naht auch mit einer Paspel gezielt optisch brechen könnte. Was bin ich dankbar für diesen Hinweis! Durch die Paspel in der Naht, am Kragen und den Manschetten gewinnt das Kleid für mich erheblich!

Stoffbezogene Knöpfe am selbstgenähten Kleid nach Butterick 6018

Damit das Schnittmuster besser auf mich passt, musste ich einiges ändern. Vom Probekleid wußte ich, dass es an der Taille etwas knapp wird und habe am Rückenteil in der Seitennaht je 1cm hinzu gegeben. Außerdem habe ich den Armausschnitt in der Achsel einen cm nach oben gezogen, damit ich mit dem Arm mehr Bewegungsfreiheit habe. Den Ärmel habe ich verlängert auf die Länge eines 3/4-Ärmels, außerdem habe ich den Ärmel geweitet, weil er mir im Probekleid etwas knapp vorkam. Die Armkugel ist relativ hoch, so dass der Ärmel nach dem Einsetzen ziemlich pufft. Das ist auf dem Schnittmuster nicht eingezeichnet und ich bin mir nicht sicher, ob es überhaupt möglich ist, den Ärmel nach der ursprünglichen Schnittkonstruktion überhaupt ohne Falten einzusetzen. Ich habe das Kleid bisher auch bei keiner Bloggerin mit gerade eingesetztem Ärmel gesehen. Da ich keinen so stark puffenden Ärmel wollte, habe ich die Ärmelkugel in der oberen Rundung etwas herunter gezogen, was zusammen mit dem hochziehen der Achsel eine deutlich flachere Ärmelkugel ergeben hat. An der Schulter habe ich auch einen knappen Zentimeter weggenommen, da meine Schultern schmaler sind als die meisten Schnitte vorsehen. Im hinteren Oberteil könnte fast noch etwas weniger Stoff sein, aber im großen und ganzen bin ich zufrieden. Die Änderungen haben insgesamt für mehr Bewegungsfreiheit für den Arm gesorgt, so dass ich ihn trotz der langen Ärmel sehr gut heben kann. Ich bin ehrlich gesagt sehr erstaunt, dass die Änderungen so problemlos funktioniert haben. An der Ärmelkonstruktion zu feilen kann ja auch gut mal nach hinten losgehen und ich bin heilfroh, dass meine pi-mal-Daumen-Änderungen zu so einem guten Ergebnis geführt haben.Manschetten mit Paspel an B 6018Manschetten habe ich zum ersten Mal genäht und es ging ganz gut, obwohl ich die Paspel dabei manchmal etwas verflucht habe. Die Länge des Kleides habe ich nicht gekürzt, es ist die im Schnittmuster vorgesehene Original-Länge. Den Saum habe ich, wie in der Anleitung beschrieben, ca. 5cm breit doppelt umgeschlagen, gebügelt und gedämpft. Ich habe mir einen ganzen Abend lang nur die Finger verbrannt und geflucht. Glücklicherweise hatte ich mir das Säumen nicht als letzten Arbeitsschritt aufgehoben – das finde ich oft sehr ätzend. Aus Scheu vor den Änderungen am Ärmel, habe ich den Saum vorgezogen und fertiggestellt noch bevor die Ärmel zugeschnitten waren. Das merke ich mir glaube ich für kommende Kleider: Die ätzendsten Arbeitsschritte zwischendurch erledigen und nicht bis zum Schluss aufheben.

So, das ist es also. Mein Eisblumenkleid. Es kommt an die Eiskönigin-Vorstellung in meinem Kopf sehr nah heran. Besonders schön finde ich, dass ich mich stilsicher als Herrscherin über das Wohnzimmer im Spielzeug-Chaos präsentieren konnte. Nachdem ich das Kleid am Wochenende zu einer Hochzeit ausführe, wird es bis zum Winter wahrscheinlich erst einmal im Schrank ruhen. Die lieben Mädels beim Me Made Mittwoch sind sicher auch alle schon in Frühjahrsgarderobe.

 

CC BY-NC-SA 4.0 Das Eisblumenkleid – Butterick 6018 von Marja Katz ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.