Geschickt eingefädelt – neues Casting für 2016

Seit zwei Wochen läuft die neue Show „Geschickt eingefädelt – Wer näht am besten?“ auf Vox. Immer Dienstags zur besten Sendezeit (20.15h-21.30h) wetteifern ambitionierte HobbyschneiderInnen um die sauberste Naht, das modischste Upcycling und die kreativsten Ideen, um die immer schwieriger werdenden Aufgaben zu bewältigen. Bis jetzt finde ich das Format herrlich unaufgeregt und unterhaltsam, wenn auch natürlich gewisse emotionale Achterbahnfahrten, Tränen und Erfolgserlebnisse für Spannung sorgen. Die Ergebnisse der sehr sympathischen Kandidaten (die habe ich euch hier schon einmal kurz vorgestellt) sind so unterschiedlich wie sie selbst; das eine überzeugt mich mehr, das andere weniger. Teilweise finde ich, dass der Fokus zu wenig auf dem Nähen selbst und der technischen Umsetzung liegt und dafür die Unterhaltung (Jurykommentare, Anekdoten) mehr Gewicht haben. Überhaupt geht es zeitweise mehr um die Jury als die Kandidaten und man hat gar nicht so viel Gelegenheit, mehr über sie zu erfahren. Besser würde es mir gefallen, hörte man als Kritik nicht nur, dass etwas gar nicht geht – sondern auch warum und vor allem: Wie es besser funktioniert. So bleibt das Thema Nähen für mich in der Show bisher eher stiefmütterlich und oberflächlich behandelt; es ist mehr Setting und Kulisse für einen Wettbewerb, als wirklich das Hauptthema. Das finde ich etwas schade, aber vielleicht ändert es sich auch noch im Verlauf der Show.traeger2Die Marketing-Kampagnen zur Show waren ausgedehnt: In Berlin wurde eine übergroße Garnrolle aufgestellt, die Kandidaten erstellten und pflegen Profile in mehreren Sozialen Netzwerken und auch in Köln waren in großen U-Bahn-Stationen ganze Plakatwände mit dem Gesicht von Guido Maria Kretzschmer geziert. So überrascht es nicht, dass die Show viele Leute erreicht; dass das Zielpublikum so breit ist, hätte ich eher nicht erwartet. Auf Twitter fiebern so viele Nänerds mit, dass der Hashtag #geschickteingefädelt diese wie letzte Woche in den Top 5 der Twitter Trends landete. Auf Facebook gibt es heiße Diskussionen, welcher der Kandidaten wohl als nächstes gehen muss.

Die Show scheint ein großer Erfolg zu sein. So groß, dass bereits für die nächste Show gecastet wird. Tower Productions sucht neue Kandidaten für die Produktion im nächsten Jahr. Wie das Casting ablief, schrieb die Kandidatin Meike kürzlich schon auf ihrem Blog. Aber auch andere Bloggerinnen haben sich aus der Deckung gewagt: Antje von machenstattkaufen, die Drehumdiebolzeningenieurin und Jana von Kittykoma haben ebenfalls über ihre Erfahrungen beim Casting für Geschickt eingefädelt gebloggt. Wer also überlegt, ob er oder sie zum Casting gehen möchte, hat da vielleicht Anhaltspunkte was auf einen zukommt.

Für mich bleibt die Frage, ob der Hype hält. Ob die zweite Runde tatsächlich so schnell nachproduziert wird – oder ob sich das Format doch recht schnell abnutzt. Weil selber nähen eben doch viel mehr Spaß macht, als anderen dabei zuzuschauen.

CC BY-NC-SA 4.0 Geschickt eingefädelt – neues Casting für 2016 von Marja Katz ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Marja Katz

Biologin aus Köln mit zwei kleinen Kinnings. Liebt ihre Familie, ihre Nähmaschine, ihr Cello.
6 comments
  1. Ich glaube ja nicht wirklich an eine zweiteStaffel.
    Irgendwie erscheint mir die Sendung für Nichtnähende doch eher langweilig.
    Nach der Sendung gestern haben sich für mich auch mehr als deutlich die Unterschiede zum englischen Original offenbart. Wie Du schon ganz richtig schreibst, steht im Original der Kandidat im Focus und nicht die Jury. Es wird sich nicht auf Kosten der Kandidaten lustig gemacht, sondern es geht dort sehr professionell zu.
    Aus Gründen würde ich mich sowieso nicht mit meinem richtigen, volle Namen und Wohnort ins Fernsehen begeben, aber mir gefällt nicht, wie schutzlos die Kandidaten der Häme um Willen der Quote (?) preisgegeben werden.

    LG Luzie

    1. Marja Katz

      Ja, das ist mir auch negativ aufgefallen. Vor allem der Kommentar über die „polnische Erntehelferin“ war mehr als daneben. Ich hörte auch von verschiedenen Seiten, dass die Sendung unter den Erwartungen bleibt – dennoch scheint es viel Publikum zu geben. Wenn Casting&Produktion allerdings so langwierig sind wie beim letzten mal, dann sehen wird nächstes Jahr um diese Zeit sicher keine zweite Staffel.

      Ich denke allerdings nicht, dass Nähen an sich im TV für Nichtnähende langweilig sein muss. Es kann durchaus inspirierend und ansteckend sein, wenn man anderen beim Schaffen zuschaut, die Leidenschaft für das Hobby spürt und vielleicht ein paar gute Ideen für eigene Arbeiten bekommt. Das fand ich in der zweiten Folge schon etwas besser als in der ersten, auch was praktische Tipps angeht, ist aber auf jeden Fall noch ausbaubar.

  2. Du schreibst mir genau aus der Seele. Mittwochs bespreche ich beim Mittagessen immer die Sendung vom Vorabend mit meiner ebenfalls nähenden Kollegin. Und wir sind beide deiner Meinung – die Kandidaten und vor allem die Techniken (und Verbesserungsvorschläge / Tipps) kommen viel zu kurz.
    Und den Kommentar über die „Erntehelferin“ kann ich nur unter „Guido macht auf Bohlen, das wird schon ankommen beim Publikum“ verbuchen. Ganz daneben.
    Ich kenne zwar das Original nicht, aber die deutsche Variante ist definitiv ausbaufähig – schaunmer mal, ob es eine 2. Staffel geben wird.
    LG
    Sandra

  3. Na ja, das ist ja keine Lehrsendung sondern soll lediglich der Unterhaltung dienen. Ich habe mir die Sendungen nachträglich im Streaming angesehen und sehr viel übersprungen, weil mich letztendlich nur noch interessiert, wer gewinnt.

    Das britische Pendant ist in der ersten Staffel noch sehr interessant, aber mit der zweiten und dritten Staffel, langweilt es einen doch schon sehr. Ich glaube nicht, dass dieses Format Zukunft hat.

    Und mal ehrlich, kostenlose Nähanleitungen gibt es zu Hauf auf Youtube. Es gibt gratis Schnittmuster in Hülle und Fülle und zu jedem Problemchen gibt es von Burda Videos, die diese richtig gut lösen. Da besteht kein Bedarf an noch mehr Anleitungen. wobei sich auch die Frage stellt, wer die denn geben soll?

    Da sind 3 Profis auf der Bühne, die von der Näherei/Design leben. Warum sollten die etwas für nothing weitergeben? Die wollen verkaufen, weil sie genau davon leben. Ist also kein Verbrechen.

    LG Marie

    1. Marja Katz

      Ich denke, die Mischung macht’s und ich finde die Produktion nicht sehr ausgewogen. Auch eine Unterhaltungssendung profitiert von einem gewissen Mehrwert für die Zuschauer. Ich rede hier nicht von einer Doku oder einem Videolehrgang über das Nähen, sondern von technischen Tricks bei Detailfragen. Immerhin haben die Kandidaten mehrere Stunden oder gar einen ganzen Tag nur konstruiert, angepasst und genäht. Das ist schon eine Leistung, in einer Sendung, die eigentlich genau darum gehen soll, davon dann letztendlich fast nichts zu zeigen. Da Inge – und auch die Kandidaten! – einiges an Fachwissen hat, finde ich es schade, dass darauf nicht aufgebaut wird. Ganz vereinzelt wurde mal eine Technik oder ein Tip besprochen und die Sendung hat dadurch sehr gewonnen, weil es tatsächlich mal um’s Nähen ging und nicht um die Jury.
      Mich hat auch geärgert, dass gegen bestimmte Kandidaten sehr Stimmung gemacht wurde, was in den sozialen Medien noch befeuert wurde. Das ist genau der Grund, warum ich Casting-Shows normalerweise nicht schaue. Die billige Effekthascherei, mit der einige Kandidaten schlecht gemacht wurden, die Konflikte, die ganz offensichtlich für die Quote aufgebauscht wurden – das ist vielleicht etwas für das dramatisch-schnulzige Vorabendprogamm, aber nichts für mich.
      Dass man tatsächlich auch eine Näh-Sendung mit Anspruch machen kann, hat die BBC ausgezeichnet gezeigt. Das hat auch nichts mit „für nothing weitergeben“ zu tun, denn durch Werbeplätze, Bücherverkäufe etc. profitieren vor allem die Jury und der Sender. Im Privatfernsehen ist nichts umsonst – aber man kann seinen Zuschauern etwas mehr zurückgeben als sensationslüsternes Kandidaten-Bashing und ein durchweg berechenbaren Plot einer Sendung.

  4. Ich habe die Sendung auch verfolgt und bin auch etwas enttäuscht darüber, dass das Nähen nicht so sehr im Mittelpunkt stand. Bzw. ich hätte mir noch mehr technische Tipps und Kniffe für die Umsetzung zu hause erhofft. Nichts desto trotz bin ich gespannt auf die nächste Staffel in 2016. Vielleicht wird ja etwas am Konzept geschraubt werden.

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