Annäherung 2020 – das verflixte 7. Jahr

Am dritten Januarwochenende stand, wie jedes Jahr, die Annäherung an und ich freute mich lange vorher schon riesig auf dieses Wochenende. Es war das 7. Mal, dass wir uns in der Jugendherberge in Bielefeld trafen. Ich hatte schon länger vorher immer mal wieder ein bisschen vorbereitet. Aber letztlich hatte ich die Gedanken doch nicht ganz so bei der Sache, so dass ich Freitag morgens noch ordentlich kopierte, zuschnitt und packte. Meine Nähkiste kam mir nicht nur chaotisch, sondern auch leicht überambitioniert vor.

Ich hatte Kleider zugeschnitten, zwei Tuniken und auch Schlafanzüge für die Kinder – und trotzdem noch zusätzlichen Stoff und ein Ufo in petto – nur für den Fall, dass mir langweilig werden sollte. Der Gatte fuhr mich zur Frau Drehumdiebolzeningenieurin und nachdem wir Nähmaschine, Overlock undsoweiter eingeladen hatten, fuhren wir ohne weitere Zwischenfälle nach Bielefeld. Dort gab es wie immer eine freudige Begrüßung, auch wenn es (nach meinem Gefühl) nicht ganz so euphorisch war wie in den vergangenen Jahren. Ein wenig müde wirkten viele, vom letzten Jahr, vom Leben, vom Weh-und-Ach.

Nach kurzer Vorstellungsrunde, bei dem eigentlich nur die Projekte vorgestellt wurden, denn man kennt sich ja, und Abendessen, ging es dann zügig los mit der Näherei. Freitag Abend war auch schon relativ früh Schluss, es kam kaum die sonstige Feierstimmung auf, weil alle so platt waren und die Zeit eher zum Nähen nutzten – oder teilweise auch einfach zum Quatschen und Austauschen. Am ersten Abend wurde mein Anna Dress fertig, bei dem ich zum Glück auch nicht viel anpassen musste.

Samstag Morgen machte ich mit den Sachen für die Kinder weiter und wurde auch recht zügig fertig. So konnte ich noch eine blaue Tunika aus Crêpe anfangen. Dieses Mal schloss ich mich weder einer Stoffkauf- noch einer Kurzwarenkauftruppe an, sondern blieb einfach ganz träge vor meiner Nähmaschine sitzen und genoss die viele ununterbrochene Nähzeit.

Gegen späten Nachmittag wurde die Stimmung dann etwas ausgelassener. Die ersten aufwendigen Projekte waren fertig. Der dicke Leo-Mantel von Frau von Welt wurde zum Anprobieren herumgereicht und es gab viel Gelächter, als Susi sich in ihrem braunen Overall selbst als Trapper John bezeichnete und vor dem Spiegel posierte. Es sind wieder viele tolle Projekte entstanden, vom Trenchcoat über Röcke, Blusen und Kleider bis hin zum luxuriösen (Business-)Schlafanzug. Abends hatte ich meine blaue Tunika fertig und fing noch ein Sommerkleid aus geblümter Viskose nach einem La-Maison-Victor-Schnitt an.

Bis auf die Knopfleiste ist das auch fertig geworden, auch wenn es ein bisschen zwischen Kittelschürze und Gartenkleid schwingt. Bei der Abschlusspräsentation gab es all die schöne neue Kleidung zu bewundern und zu beklatschen. Es war eine sehr schöne Annäherung, auch wenn der typische Annäherungs-Rausch erst gegen Ende aufkam. Oder vielleicht war das auch nur mein Eindruck? Sonntag waren wir doch etwas erstaunt, dass die Zeit so extrem schnell um war. Aber wir haben uns feste gedrückt und uns bis zum nächsten Jahr verabschiedet. Ich freue mich sehr, ein paar Freundinnen auf der h+h Kreativmesse im März wieder zu sehen. Aber Annäherung in Bielefeld ist nur einmal im Jahr. Und danach kann man jetzt schon wieder sehnsuchten.

CC BY-NC-SA 4.0 Annäherung 2020 – das verflixte 7. Jahr von Marja Katz ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Marja Katz

Biologin aus Köln mit zwei kleinen Kinnings. Liebt ihre Familie, ihre Nähmaschine, ihr Cello.
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